Experten warnen vor ungewöhnlichen Entwicklungen auf dem Gasmarkt: Die erwarteten Preise für Sommer 2026 liegen derzeit höher als für den kommenden Winter – ein seltenes Phänomen, das auf die erwartete hohe Nachfrage bei der sommerlichen Befüllung der Speicher zurückgeht. Normalerweise profitieren Gashändler davon, im Sommer günstig einzukaufen und im Winter teurer zu verkaufen.
Für Bayern verschärft sich die Lage zusätzlich dramatisch: Die Speicher Breitbrunn und Wolfersberg, die zusammen fast die Hälfte der bayerischen Gaskapazität ausmachen, sollen ab Frühjahr 2027 aufgrund von Unwirtschaftlichkeit stillgelegt werden. Bereits jetzt sind die Preise im deutschen Großhandel von unter 3 Cent pro kWh zu Silvester 2025 auf über 4,3 Cent pro kWh Mitte Januar 2026 gestiegen, ergänzt durch die CO2-Bepreisung von 1,75 Cent pro kWh Erdgas. Bundesweit sind die Speicher nur zu 25 Prozent gefüllt, in Bayern gar nur zu 18 Prozent, die strategischen Speicher Breitbrunn und Wolfersberg liegen bei 13 Prozent bzw. 4 Prozent. Die niedrigen Füllstände sind eine direkte Folge energiepolitischer Entscheidungen auf EU-, Bundes- und Landesebene.
Wenn die Versorgungssituation im Frühjahr 2026 bereits kritisch ist, droht im Winter 2027/28 eine katastrophale Lage für Industrie und Haushalte: Gaspreise haben sich seit 2019 mehr als verdoppelt, über 55.000 Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe Bayerns wurden abgebaut, und die Energiearmut stieg von 2,5 Prozent auf 6,3 Prozent der Bevölkerung.
Oskar Lipp, industriepolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag, warnt:
„Die Lage in Bayern ist alarmierend und erfordert sofortiges Handeln. Aber die CSU-geführte Staatsregierung bleibt untätig und sieht zu, wie sich die Situation weiter zuspitzt. Wir fordern die Staatsregierung auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass der Gasspeicher Breitbrunn von der bundeseigenen Uniper SE auf den Freistaat Bayern übertragen wird. Nur so kann die strategische Kontrolle über Betrieb, Befüllung und Einsatzbereitschaft dieses zentralen Speichers gesichert werden.
Darüber hinaus soll geprüft werden, ob Bayern den Gasspeicher Wolfersberg direkt erwerben oder sich zumindest maßgeblich daran beteiligen kann. Ziel ist, auch hier Befüllung, Betrieb und strategische Einsatzbereitschaft unter staatliche Kontrolle zu stellen, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten.“