Die Staatsregierung kann beim Verkauf von 51 Prozent der Augsburger Everllence SE an den US-Finanzinvestor Bain Capital keine Risiken erkennen. Auf eine Schriftliche Anfrage der AfD-Fraktion antwortete das Wirtschaftsministerium, keine Informationen über Beschäftigung, Schlüsseltechnologien, Patente, Übernahmefinanzierung und mögliche Standort-Folgen zu haben.
Das Augsburger Werk wurde 1840 gegründet; Rudolf Diesel entwickelte hier den ersten Dieselmotor der Welt. Heute werden Großmotoren und Turbolader sowie Technologien für Wasserstoff, Power-to-X und die Energie- und Schifffahrtswirtschaft produziert. Noch am 17. Juli 2026 bezeichnete Ministerpräsident Söder den Augsburger Hauptsitz als starken Industriestandort für bayerische Zukunftstechnologien.
Oskar Lipp erklärt als wirtschafts- und industriepolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag:
„Das ist ein industriepolitischer Offenbarungseid. Eben erst feierte die Staatsregierung Everllence als bedeutendes bayerisches Unternehmen, dann will Aiwangers Wirtschaftsministerium nichts über die strategische Relevanz, mögliche Technologieabflüsse und andere Folgen der Übernahme wissen. Ein Stück Augsburger und deutscher Industriegeschichte wird mehrheitlich an einen US-Finanzinvestor verkauft – und die Staatsregierung erklärt sich für ahnungslos und unzuständig. So darf der Ausverkauf unseres industriellen Tafelsilbers nicht weitergehen. Wir fordern eine aktive Industriestrategie statt Wegsehen: Schlüsseltechnologien, Forschung, Produktion und qualifizierte Arbeitsplätze müssen in Bayern gesichert werden. Die Staatsregierung muss Übernahme-Risiken bewerten, gegenüber dem Bund bayerische Interessen vertreten und sich für verbindliche Standort- und Technologiegarantien einsetzen.“